Karl Reinhartz

Karl Reinhartz entwickelte schon während der Akademieausbildung einen Stil, dem er bis heute folgt: Nach einem bestimmten System, werden geometrische Holzteile, die farbig gefasst sind, akkurat in einen streng geometrisch Rahmen gesetzt. Durch die Farbgebung schafft Reinhartz überraschende optische Effekte. Der Betrachter erlebt Farbflimmern oder sieht Wölbungen, wo keine sein können. Man muss mit dem Kunstwerk in Interaktion treten, damit die optischen Effekte sichtbar werden.

Aus der Ferne betrachtet wird die zugrunde liegende Konstruktion meist von der optischen Wirkung überragt, genaues Hinsehen ist notwendig, um zu verstehen, wie die optischen Effekte zustande kommen.
Erst wenn sich der Betrachter bewegt, wird er überrascht. Eine „sensation compliquée” darf er erleben, so schreibt es schon der Ausstellungskatalog 1964 über Karl Reinhartz Kunst (Musée des Arts Décoratifs, Palais du Louvre Pavillon de Marsan: „Nouvelle Tendance“, April-Mai 1964).

Karl Reinhartz, geboren 1932 in Herne, studierte ab 1956 freie und angewandte Kunst an der Werkkunstschule in Dortmund und anschließend bis 1965 an der Akademie der bildenden Künste in München in der Klasse von Ernst Geitlinger und Georg Meistermann.
In dieser Akademie-Klasse bildete sich mit Karl Reinhartz eine Gruppe, die unter dem Namen „EFFEKT“ arbeitete und ausstellte. Schon vor seinem Abschluss an der Akademie nahm Karl Reinhartz an internationalen Ausstellungen teil. Seine Werke wurden weltweit gezeigt, z.B. 1963 in Zagreb und Venedig, 1965 im Museum of Modern Art (Moma) in New York, anschließend in weiteren Städten der USA und sind in mehreren Museumssammlungen vertreten.

Nach einer Pause von 20 Jahren, in denen der Künstler seine Ideale nicht mehr durch die Kunst und den Kunstbetrieb verwirklicht sah, malt er nun wieder und ist in vielbeachteten Ausstellungen zu finden. Z.B. 2014 in der Ausstellung „NEON, vom Leuchten der Kunst“ im Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt.

Sein aktuelles Spätwerk, das beinah nahtlos an die herausragenden Arbeiten der Anfangszeit in den 1960er und 70er Jahren seriell und konzeptionell angeknüpft, wird in Ausstellungspublikationen sowie von der Presse gelobt.

Die Süddeutsche Zeitung ist im Januar 2014 fasziniert: „…mit farbigen Schatten dagegen spielen die faszinierenden Kipparbeiten von Karl Reinhartz.“
Und der Donaukurier schwärmt 2011 im Artikel „Täuschung als Kunst“: „…die hinreißende Arbeit Karl Reinhartz, der mit erhabenen Holzdreiecken auf dem Bildträger schafft, dass sich sein Werk mit der Bewegung des Betrachters von Schwarz zu Weiß verschiebt. Eine kleine Besonderheit ist dieses Bild, hing es doch 1965 in der Ausstellung The Responsive Eye, Moma, New York.“

Das hier präsentierte Werk ist erst im Sommer 2014 entstanden. Reinhartz spielt mit seinem ihm so eigenen System: Auf den ersten „geraden“ Blick, flimmern bunte Farben aus einem Quadrat. Bewegt sich der Betrachter, so entdeckt er pures Weiß aus der linken Perspektive und feines farbiges Schimmern von rechts. Das Zentrale Flimmern aus bunten Prismen, erinnert sehr an die Farbquadrate Gerhard Richters. Karl Reinhartz amüsiert und überrascht den Betrachter, in dem er die Farbwirkung einfach in ein „Nichts“, in eine reinweiße Ebene aus der linken Betrachterperspektive auflöst.